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Die Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde (GGH) hat es sich zur Aufgabe gemacht Ihnen, wenn Sie wollen, ein wenig über unsere Heimatstadt Bendorf zu berichten. Unser Angebot richtet sich in der Hauptsache an geschichtlich und heimatkundlich Interessierte.
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Vorwort
Bendorfs bewegte Vergangenheit über viele Jahrhunderte hinweg hat schon immer das Interesse von sehr vielen Autoren und Chronisten geweckt. Über Bendorfs Geschichte gibt es eine reiche Fülle an Dokumenten, Aufzeichnungen und Erzählungen, welche die Vergangenheit unserer Heimat aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln widerspiegeln. Es erscheint mir daher äußerst reizvoll, einige wertvolle heimatkundliche Aufsätze aus dieser Fülle von Veröffentlichungen erneut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein Problem ist es allerdings, dass von vielen dieser ehemaligen Autoren - trotz sorgfältiger intensiver Recherche - keine Angaben zum Copyright auffindbar waren. Diese Autoren haben ihre Arbeiten überwiegend in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in verschiedenen Publikationen veröffentlicht. Etliche Zeitungen, wie beispielsweise die alte "Bendorfer Zeitung" oder die Koblenzer Zeitung, sowie Heimatblätter und dergleichen wurden aber spätestens 1937 eingestellt. Ab 1937 veröffentlichten nämlich die damaligen Machthaber in den parteieigenen NS-Presseorganen viele dieser Artikel erneut - ohne Nennung der Autoren, wie man sich denken kann.
Ein Inhaber der Rechte für den folgenden Artikel ist der GGH nicht bekannt; sollte es aber einen geben, so bitten wir höflichst um Nachsicht und entsprechende Informationen, die wir dann gerne und umgehend berücksichtigen werden.

Der erwähnte Aufsatz erschien in: Koblenzer Heimatblatt 2. Jahrg., 26. Sept. 1926,
Für die Einstellung ins Internat wurde er entsprechend bearbeitet von W.Kutsche.


Die Familie Remy und die Tonwarenindustrie im Kannenbäckerland.

Nach einem Vortrag von Herrn Dr. Ludwig Beck in Wiesbaden ?

von Alfred Stauber, Grenzhausen.


Eng verbunden mit der Geschichte der nassauischen Tonwarenindustrie ist die Familie Remy. Im Jahre 1586 kam Jaques Remy aus Ivoy in Lothringen nach Grenzhausen. Hier war damals gerade ein neuer Zweig der Tonwarenindustrie, die Herstellung von Steingut in Aufnahme gekommen. Die Töpferei bestand Hallstattzeit südlichen Westerwald, besonders in Grenzau, Grenzhausen und Höhr, dank seiner vorzüglichen Tonerde schon seit uhralten Zeiten, wie die Funde aus Neuhäusel aus der Hallstattzeit beweisen. Zufolge einer Urkunde von 1230 mussten die oben genannten Orte des Kannenbäcker-Landes Tonschüsseln als jährliche Abgabe an das Erzstift Trier liefern. Diese Tonwaren waren aber kein Steingut. Das Steingut, dass bei andauernder Hitze so hart gebrannt wird, dass es keine Flüssigkeit durchlässt, und nicht vom Messer geritzt wird, wurde erst zu Anfang des 15. Jahrhunderts erfunden. Frechen bei Köln scheint die älteste Heimat zu sein. Neben ihm waren Raeren bei Aachen und die Stadt Siegburg Orte, wo die Steingut-Töpferei betrieben wurde. Das Siegburger Steingut war durch seine helle Farbe dem Frechener Steingut vorgezogen. Die in der Stadt Siegburg zu hoher Blüte erlangte Steingutindustrie erlitt infolge der Eroberung der Stadt durch die Schweden im Jahre 1632, einen Schlag, die die Tonindustrie vollständig niederlegte und einschlafen ließ. Im jetzigen Kannenbäckerland erblühte die Steingut-Töpferei am spätesten, hat sich daher aber am günstigsten entwickelt. In dem tonreichen Gegenden und holzreichen Waldungen waren die besten Vorbedingungen für eine rasche Entwicklung gegeben. Das Land war in Händen des katholischen Kurtriers, des protestantischen Wieds, sowie des Grafen von Sayn und Isenburg. Es gab eine tierische Zunft, die zwei Drittel der gesamten Eulerzunft umfasste, während die Orte wie Grenzhausen usw. zur wiedischen Zunft gehörte. Das Geheimnis der Steingutfabrikation lag in der richtigen Feuerung des Kannenofens, in dem langen Backen bei steigender Hitze. War das Gepäck gar gebrannt, dann wurde es gesalzen, indem durch Öffnungen im Gewölbe des Kannenofens weißes, mit Russ und Petroleum vermengtes Salz mittels langen eisernen Schaufeln eingeworfen wurde. Hierdurch entstand auf dem Steingut die bekannte Glasur

Zur Zeit der Einwanderung des Jaques Remy nach Grenzhausen war hier durch den aus Siegburg stammenden Zunftmeister Arno Krütgen ein verbesserter Backofen und die Blaufärbung der Tonwaren mit Kobalt eingeführt. Die blau gemalten Kannen, Krüge und Töpfe fanden überalle große Verbreitung. Remy konnte zunächst nicht daran denken, sich selbstständig zu machen, denn nach der damaligen Zunftsordnung konnte nur der Sohn eines Zunftsmeisters in die Zunft aufgenommen werden. Nur wenn ein Geselle die Witwe eines Meisters heiratete und das Geschäft weiterführte, konnte er Aufnahme finden. Jaques Remy gelang es endlich durch seine Heirat mit Catharine Wingender im Jahre 1595, auf diesem Wege Zunftsgenosse zu werden. Er tat sich als solcher sehr hervor und es ist in erster Linie sein Verdienst, dass die Grenzhäuser Waren durch schönere Formenbegebung und Ausschmückung bald die der zahlreichen Höhrer überflügelten. Trotzdem das Krug- und Kannenbäckerland von den Leiden des dreißigjährigen Krieges nicht verschont blieb, entwickelte sich die Eulerzunft in Grenzau und Höhr in kräftigster Weise fort. Dazu trug viel die verständige Regierung das Grafen Johann Wilhelm von Wied bei, der nach der Einnahme Siegburgs durch die Schweden einen Freibrief für fremde Eulner erließ und in Übereinstimmung mit der Zunft eine vortreffliche Handwerkerordnung für die Wiedische Eulerzunft verfasste. Unter dem Einfluss dieser so segensreich wirkenden Zunftsordnung schlossen sich mit Zustimmung der Landesregierung 1643 alle lokalen Zünfte zu einer Gesamtzunft zusammen, die durch eine gemeinsame, über 100 Jahre in Geltung bleibende Zunftsordnung zusammengehalten wurde. Der anerkannte Vorort dieser Zunft war Grenzhausen. An dem Emporblühen dieses Ortes beteiligte sich die Familie Remy in hervorragender Weise. Jakob Remy hatte zwei Söhne, die jeder wieder 11 Kinder hatten und in den folgenden Generationen war der Kinderreichtum in diesem Geschlecht noch größer. Wenn auch nach der Zunftsordnung nur ein Sohn in dem väterlichen Geschäft Meister werden konnte und die anderen Söhne entweder bei dem Bruder als Gesellen arbeiteten oder einem anderen Beruf ergreifen mussten, so sind doch viele Nachkommen Jakob Remys auf dieselbe Weise, wie ihr Stammvater Eulnermeister geworden und zwar nicht nur in Grenzhausen, sondern auch in Höhr, Hilgert, Mogendorf, Bendorf und an anderen Orten. Besonders in Höhr nahmen die Remys rasch zu. Ein besonders hervorragendes Mitglied der Grenzhäuser Familie war der Hoffaktor Wilhelm Remy. 1662 als Urenkel des Jakob Remy geboren, war er erst Eulnermeister in Grenzhausen, dann Handelsmann in Höhr und schließlich Kaufmann und Hoffaktor in Vallendar.

Noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Kannenbäckerware meistens durch Händler vertrieben, welche die Waren an Ort und Stelle der Fabrikation aufkauften und in ihrem Karren mitnahmen. Dies änderte sich im Laufe des Jahrhunderts, in dem zunächst einzelnen Meister ihre und ihre Genossen Waren selbst auf den Messen des Ober- und Niederlandes - das Absatzgebiet war in der Weise geteilt, dass das Land stromaufwärts von Vallendar und Andernach, das Oberland, stromabwärts das Niederland bildete, - feiboten. Bei dem Aufschwung der Industrie ging man alsdann dazu über, kaufmännisch gebildete Beamten, Faktoren, von Zunftwegen anzustellen. Wilhelm Remy wird als erster Faktor für das Oberland erwähnt, nebenbei betrieb er aber auch noch eigene Geschäfte und seine Ernennung zum Hoffaktor lässt darauf schließen, dass er solche auch für den Grafen von Wied besorgte. Bei seinem Tode hinterließ er der Kirche, den Armen und der Schule in Grenzhausen beträchtliche Stiftungen.

Zu seiner Zeit erreichte die Kannenbäckerzunft ihre höchste Blüte, die in der Folgezeit mehr und mehr nachließ. Der wachsende Bedarf an Mineralwasserkrügen beeinflusste die künstlerische Entwicklungen in nachhaltiger Weise. Die Zahl der Krugbäcker überwog die der Kannenbäcker immer mehr. Auch die neu aufgekommene Tabakspfeifenindustrie schädigte die Kunstindustrie. Dazu kamen die Steigerungen der Holzpreise, die Erfindung des Porzellan und die Fayence, vor allem aber die politischen Wirren zwischen Kur-Trier und Wied. Dieser Streit führte 1769 zur Trennung zwischen trierischer und wiedischer Zunft. Damals gehörten allein von 107 Mitgliedern der Zunft in Grenzhausen 25 der Familie Remy an. Durch all diese Verhältnisse, sowie durch die Zunahme der ungelernten Genossen, die man Schnatzen nannte, kam das Gewerbe immer mehr herunter. Als 1802 die kurtrierischen Gebiete des Kannenbäckerlanddes an Nassau-Weilburg kamen, verschlimmerte sich die Lage der Tonindustrie dadurch noch, dass die Regierung den Krugbäckern gegenüber sich auf einen rein fiskalischen Standpunkt stellte. Die Wiedische Zunft blieb bestehen, zunächst als 1806 die Selbstständigkeit Wieds aufhörte und das ganze Zunftsgebiet an das Herzogtum fiel. Allein auch 1816 wurden die trierische Zunft aufgehoben und 1819 erfolgte die Schließung der Zunftkasten. Damit erlosch für lange Zeit der Wohlstand des Kannenbäckerlandes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich der handwerkmäßige Betrieb in den fabrikmäßigen um. In die Industrie kam allmählich ein frischer Zug, besonders durch den seit 1870 aus Böhmen eingewanderten Scheiben-Modelleur Hanke, der die alten schönen Formen der früheren Zeit wieder zu Ehren brachte. Eine Reihe günstiger Umstände hat eine zweite Blütezeit der Tonwarenindustrie heraufgeführt. Unter den Unternehmern, sowie unter den Arbeitern finden sich noch viele Remys, die alle von dem Jakob Remy abstammen.

So eng verbunden der Name Remy aber mit der Tonwarenindustrie des Kannenbäckerlandes seit 300 Jahren ist, so haben die Nachkommen, jenes aus Ivoy stammenden eingewanderten Stammvaters noch größere Erfolge auf dem Gebiete der Metallindustrie errungen.

Wilhelm Remy von Grenzhausen, ein Urenkel des 1586 von Ivoy eingewanderten Jakob Remy, erwarb 1728 ein einige Jahre früher gegründetes Eisenwerk zu Bendorf. Der damals 25 jährige junge Mann, zuvor Hüttenmeister des von dem Eisenwerks-Besitzer Johann Philip Hoffmann errichteten Steinebrücker Hammers, heiratete im gleichen Jahre die Tochter seines Chefs. Remy leitete das Bendorfer Werk "vier Winde" mit großem Erfolg. Er stand bei der Landesherrschaft in hoher Gunst. Er wurde mit der Personalfreiheit von den dieser zu leistenden Diensten befreit, und zum markgräflich brandenburgischen - die Herrschaft Bendorf war 1741 durch Erbschaft in den Besitz des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach gekommen - Kommerzienrat ernannt, eine damals noch seltene Auszeichnung. Da er keine Kinder hatte, nahm er seinen Vetter Johann Remy, der durch die Heirat mit einer anderen Tochter Hoffmanns zugleich sein Schwager geworden war 1743 als Teilhaber an, in dem er eine Handelssocietät gründete. Nach Wilhelm Remys tod im Jahre 1761 trat sein Vetter Johannes an die Spitze dieser blühenden Sozietät und baute das Unternehmen durch Erwerbung der Erbbelehnung für das verlassene Blei- und Silberwerk Lindenbach und der Gründung der Nieverner Gewerkschaft weiter aus. Er starb am 8. Juni 1778. Von ihm und seiner Familie ist ein prächtiges, von dem kurfürstlichen trierischen Hofmaler Zick hergestelltes Ölgemälde erhalten.

Noch zu Lebzeiten des Kommerzienrat Wilhelm Remy gründete dessen Neffe Heinrich Wilhelm Remy 1757 in Neuwied ein eigenes Geschäft, nachdem er sich mit der ältesten Tochter Johann Remys verheiratet hatte. 1760 übernahm er das Eisenwerk Rasselstein und die dabei gelegene Blechfabrique von der Wiedischen Herrschaft in Pacht. Er ließ die Blechfabrik eingehen und machte dafür ein doppeltes Hammerfeuer. Zum Wiedischen Bergrat und kurtrierischen Kammer-Rath ernannt, pachtete H. W. Remy 1767 auch den jenseits des Rheins gelegenen Netter Hammer. Bedeutender ist noch seine Gründung des ersten deutschen Eisenwalzwerkes und die Erfindung des Gesundheitsgeschirr , das als Neuwieder Geschirr lange Zeit auch über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt war. Da seine beiden Söhne schon im jugendlichen Alter starben, wurde sein Schwiegersohn Hackenbracht sein Erbe und als solcher Teilhaber der von seinem Schwiegersohn und dessen Schwager Carl Remy seit 1771 unter der Firma "H. W. Remy & Konsorten" geführten Eisen- und Schwarzblech- Handlung. Der Letztere - Carl Remy - übernahm jetzt die eigentliche Leitung. Er brachte 1784 das bis dahin gepachtete Eisenwerk Rasselstein durch Kauf für 43.000 Gulden in den Besitz der Firma. Ebenso wurde 1797 der Netter Hammer, als Eigentum erworben und 1799 das Honnefelder Eisenwerk. Über alle diese Werke besitzen wir in dem 1804 erschienenen Buch des preußischen Bergrats Eversmann ausführliche Berichte, aus denen hervorgeht, dass auf den Remyschen Eisen- und Walzwerken die Einrichtungen musterhaft waren. In Bendorf wurde 1804 noch ein zweiter Hochofen angelegt, der bis zum Jahre 1844 betrieben wurde. Der Betrieb litt aber immer mehr unter der Schwierigkeit, die nötige Menge Holzkohlen zu beschaffen. Als im Jahre 1870, das große Bendorfer Werk, Hütte und Gruben, von Friedrich Krupp in Essen, der sich die guten Erze sichern wollte, käuflich erworben wurde, ging auch der andere Hochofen in Bendorf ein.

Den Rasselstein leitete nach dem Tode Carl Wilhelm Remy sein ältester Sohn Christian. Dieser trug sich mit dem Gedanken, den englischen Pudelbetrieb mit Steinkohlen, anstatt des Frischfeuerbetriebes mit Holzkohlen, auf seinen Werken einzuführen. Er trat anfangs der zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit dem berühmten Ingenieur John Cockerill zur Gründung eines gemeinschaftlichen Unternehmens in Verhandlung. Cockerill zog sich aber infolge ungleich günstigerer Anerbietungen, die die holländische Regierung machte, wieder zurück und jetzt wandten sich die Besitzer des Rasselsteins, Christian und sein Bruder Fritz Remy, sowie von Gödecke, an ihre Vettern Remy zu Bendorf. Da diese aber verlangten, dass Ferdinand Remy, der jüngere Bruder Wilhelm Gideon Remys, der Leiter des Bendorfer Werkes, die selbstständige Leitung des Rasselsteins haben solle, kam auch diese Verbindung nicht zu Stande. Ferdinand Remy, der sich mit dem Puddelbetrieb an Ort und Stelle bekannt gemacht hatte, erbaute in der Folge bei Alf an der Mosel ein eigenes Puddel- und Walzwerk, das 1827 in Betrieb kam. Drei Jahre früher gelang es jedoch Christian Remy und seinem Bruder Friedrich, das erste in Deutschland mit Steinkohlen gepuddelte Walzeisen auf dem Rasselstein herzustellen, wofür sie die von der preußischen Regierung ausgesetzte Prämie von 5000 Taler und eine Steinkohlenbegünstigung bis zum Jahre 1831 erhielten. 1830 wurden die alten Blechwalzen des Rasselstein in Stabeisenwalzen umgewandelt. Damit wurden 1835 die ersten deutschen Eisenbahnschienen für die älteste deutsche Eisenbahn, Nürnberg - Fürth, auf dem Rasselstein gewalzt. Es waren dies leichte Schienen. Das Alfer Eisenwerk walzte dagegen 1838 die ersten schweren Eisenbahnschienen in Deutschland für die Strecke Düsseldorf - Elberfeld. Überall waren bei diesen wichtigen Neuerungen die Remys an der Spitze. Ihre Eisenhütten gingen jedoch allmählich zurück durch den Fortschritt der Eisenerzeugung mit Steinkohlen, so dass in den Jahren 1870-71 alle Werke bis auf dem Rasselstein stillgelegt wurden. Der Rasselstein blieb aber im Betrieb und hat sich allen Neuerungen angepasst.

Auch um die Blei- und Silbergewinnung bei Ems hat die Familie Remy sich vorzügliche Verdienste erworben. Der Bergbau bei Ems reicht in die vorrömische Zeit zurück. Die Römer wendeten wie Tacitus berichtet, sogleich nach Besitzergreifung dieses Gebietes, auf die dortige Industrie ihr besonderes Augenmerk. Die Nachrichten über den Emser Bergbau im Mittelalter sind sehr dürftig gewesen, trotzdem muss er sehr bedeutend gewesen sein. Dagegen darf man als sicher annehmen, dass der Betrieb im 16. Jahrhundert bereits eingestellt ist. Im Jahre 1661 erwarb Johann Mariot die Belehnung für alle Erze in der Vogtei Ems. Er sowohl wie seine Nachfolger legten aber nur wert auf die Eisenerze. So blieben die alten Gruben unbenutzt, bis man in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts wieder anfing, sie auszubeuten. Die Ausbeute warf anfangs wenigen Nutzen ab. 14 Jahre später gelangten auch die Blei- und Silberbergwerke auf der rechten Seite der Lahn durch Kauf in den Besitz der Bankier Remy, Hoffmann und Co., zu Bendorf. Ihr eigentlicher ordentlicher Betrieb begann erst 1788 durch Johann Jost von Ey, der eine Remy geheiratet hatte. Unter seiner Leitung nahm die Produktion stetig zu, ebenso unter seinem Sohne Johann Christian von Ey, der von 1808-1847 dem Betrieb vorstand. Infolge des immer umfangreicher werdenden die Baus wurde 1806 und 30 Maschinen Betrieb eingeführt. Nach des Jüngeren Eys Tod wurde von der Gesellschaft Remy, Hoffmann und Co., Otto Schrattmann von Cronenberg als Direktor der Emser Werke berufen. Ihm folgte 1853 der erst 32 jährige Bergaccessist Ernst Born, ein geborener Wiesbadener, der mit großen technischen Talenten zugleich Organisationstalent und Unternehmungsgeist verband. Er hat das ganze Unternehmen umgestaltet und auf eine breitere Grundlage gestellt. Born machte ausgedehnte Aufschluss- und Vorrichtungsarbeiten, besonders in der Grube Merkur, mit welchem Namen das ganze Grubenfeld auf der rechten Lahnseite bezeichnet wurde. Für die Förderung und Wasserhaltung legte er hier 1856 unterirdisch eine Dampfmaschine an. 1858 baute er in der Grube Fahnenberg für die Wasserhaltung ein Kehrrad ein. Durch Kauf erwarb er 1857 den gemeinschaftlichen Wald der Gemeinden Nievern, Fachbach und Mehren, und 1859 die von der Lahn und dem Obergraben der neuen Lahnschleuse gebildete Insel. Er machte dort eine Turbinenanlage und baute die große Zentrale Aufbereitungsanstalt Silberrau, die er der Leitung des jungen Berg-Ingenieurs Karl Linkenbach aus Ems unterstellte. Im Anschluss daran entstand die Remy-Brücke und die Werkeisenbahn nach der Pfingstwiese. Dazu legte er auf der käuflich erworbenen Ahler Eisenhütte eine eigene Zinkhütte an. Unter ihm wurde 1869 auch von dem Hütteningenieur Hermann die Zinkentsilberung auf der Emser Hütte eingeführt. Infolge des großen Umfangs wurde die Gewerkschaft 1872 unter der Firma "Emser Blei- und Silberwerke" in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, an der übrigens außer Born nur Remy'sche Verwandte beteiligt waren. Born war ihr erster Generaldirektor, doch erreichte ihn schon ein Jahr darauf der Tod. Während seiner Verwaltung hatte sich die Produktion des Emserwerkes um das zehnfache vermehrt. Borns Nachfolger wurde Max Freudenberg. Ihm war es vergönnt zu ernten, was der rastlose Born gesät hatte. Namentlich lieferte der von Letzterem noch angelegte Neuehoffnungsgang, reichen Ertrag. Besonders hart wurde die Gesellschaft dadurch getroffen, dass die königliche Regierung 1882 aus wohl übergroßer Ängstlichkeit für die Emser Heilquellen den Tiefbau auf dem Neuhoffnungsgang verbot. 1891 wurde die Förderung hier ganz eingestellt. Freudenberg, dem es in erster Linie darauf ankam, große Erträgnisse zu erzielen, der dagegen die für die Stetigkeit des Bergbaus so notwendigen Aufschließungsarbeiten weniger beachtete, legte, nachdem der Betrieb verschiedener Gruben hatte eingestellt werden müssen, am 1.5.1894 sein Amt als Direktor nieder. An seine Stelle trat der bisherige Leiter der Aufbereitungsanstalt Silberau, Karl Linkenbach, der sich auf dem Gebiete des Aufbereitungswesens durch Erfindung neuer zweckmäßiger Apparate einen bedeutenden Ruf erworben hatte. Es wurden jetzt, um die Förderung zu heben, neue Aufschlussarbeiten vorgenommen und viele veraltete Einrichtungen nach den Anforderungen der fortgeschrittenen Technik umgewandelt. Die Direktion übernahm 1895, nachdem die Firma "Remy, Hoffmann und Co." sich freiwillig aufgelöst hatte, den An- und Verkauf der Materialien und Produkte. Im Jahre 1896 legte Linkenbach ein Bleiblech-Walzwerk an, wodurch das Weichblei vorteilhaften Absatz fand. Zugleich wurde auf der Grube Rosenberg bei Braubach ein verstärkter Abbau begonnen. Für den immer wachsenden Tiefbau der Grube Merkur wurde seit 1901 eine neue großartige Wasserhaltungsanlage in der Errichtung einer großen und starken elektrischen Zentrale geschaffen. Nachdem diese am 1. April 1903 in Betrieb genommen war, konnten bis zum 1. November mittels Hochdruckzentrifugalpumpen, die Wasser aus dem Tiefbau gehoben und die Arbeiten auf den verlassenen Stollen wieder aufgenommen werden. Damit eröffnete sich für den Emser Bergbau, der von der Familie Remy neu geschaffen und kräftig eingerichtet worden ist, eine weitere hoffnungsvolle Zukunft.


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