Shalom Ben Chorin in Bendorf
Die Fotos zeigen Shalom Ben Chorin mit seiner
Frau. Sie kommen von der Gymnastikhalle des Kurheims, wo das Seminar aufgrund
der großen Zahl der Teilnehmenden durchgeführt wurde. Rechts in dem
zweiten Bild ist Dieter Kittlauß, links Horst Eisel.
Shalom Ben Chorin gehörte zu den Freunden des
Hedwig - Dransfeld - Hauses. Für Gruppen des HDH, die nach Israel kamen,
hatte er immer Zeit. Es war zweifellos für Bendorf ein geschichtlicher
Höhepunkt, dass Shalom Ben Chorin anlässlich einer Deutschlandreise
mit seiner jungen Frau 13.- 15. 1.1992 in Bendorf Halt machte und im
Hedwig-Dransfeld-Haus ein Wochenende gestaltete.
Wer war dieser Mann? Shalom Ben Chorin wurde
1913 als Fritz Rosenthal in München geboren. Mit 15 Jahren verließ
er seine liberal -jüdischen Eltern und band sich an das religiöse
Judentum. Von großer Bedeutung für ihn wurde die Begegnung mit den
Werken von Thomas Mann, Ernst Wiechert und Stefan George. Er studierte
vergleichende Religionswissenschaft und Germanistik. 1935 floh er nach seiner
Heirat vor der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Terror nach
Palästina. Jerusalem wurde seine neue Heimat, der Staat Israel später
sein Vaterland. Dass er dennoch ein "brüderlicher Freund des guten
Deutschlands" geblieben ist, der sogleich nach dem Krieg bewusst die Rolle des
Brückenbauers zwischen Juden und Deutschen übernahm, kann nicht hoch
genug eingeschätzt werden
Als Journalist, Synagogenleiter, Schriftsteller,
Forscher und Gastprofessor wirkte Ben Shalom Chorin unermüdlich für
ein neues Miteinander von Christen und Juden. Er entdeckte den "Bruder Jesus"
für die Juden und den "Juden Christus" für die Christen. Die Liste
der deutschen Ehrungen ist lang. 1959 Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der
Juden in Deutschland. 1969 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 1982
Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen
Koordinierungsrates für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. 1985
Verleihung des Professorentitels durch die Landesregierung
Baden-Württemberg. Anfang Juli 1988 wird Ben Chorin die
Ehrendoktorwürde der Universität München verliehen.
Für die mehr als 80 Teilnehmer war es
faszinierend, den sehbehinderten 75 Jährigen stundenlang frei sprechen zu
hören "Bendorf ist eine weite Reise wert, weil es hier das HDH gibt",
begrüsste "SBC" seine christlichen Zuhörer. Die Themen seiner
Referate entsprachen seinem Lebenswerk: "Die Bedeutung der Thora im
jüdischen Glauben" und "Jesus und die Thora". Ben-Chorin war es ein
Anliegen, den christlichen Zuhörern begreiflich zu machen, dass die Thora
(=die ersten 5 Bücher Moses) nicht einseitig als Gesetz, sondern als
Anweisung zum Leben mit Gott verstanden werden muss. Jede Generation sei
aufgerufen, sich die Thora und ihre Deutungen anzueignen und darüber auch
mit Leidenschaft zu streiten. Auch Jesus fühlte sich ganz in die Thora
eingebunden, denn er war bis zur Stunde seines Todes ein gläubiger Jude.
Seine Auseinandersetzungen mit anderen jüdischen Richtungen mussten, so
Ben-Chorin, in ihrem Zeithorizont gesehen werden. Im Unterschied zu vielen
seiner Zeitgenossen kam es Jesus darauf an, die Mitte der Thora bewusst zu
machen und zur Einheit von Glauben und Leben aufzurufen.
Anschließend stellte sich Shalom Ben-Chorin
der offenen Diskussion. Jede Frage war erlaubt. Der "Weise Mann aus Jerusalem"
mit seinem phänomenalen Gedächtnis, seinem umfassenden Wissen und
seinem Humor wurde für alle Seminarteilnehmenden ein unvergessliches
Erlebnis. Seine volltönende Stimme blieb lange im Ohr. Es war ein
bewegender Augenblick, als Shalom Ben-Chorin zum Abschluss des Gottesdienstes
das Jüdische Totengebet für Professor Dr. Heinz Kremers sprach, der
zu den Wegbereitern des jüdisch-christlichen Dialogs gehörte.
Mit großem Genuss trank Ben Chorin jeden Tag
eine Flasche guten Rotweins von der Ahr und sagte zum Abschied: "Diese Stadt
und dieses Haus bleiben in meiner guten Erinnerung".
1999 ist Shalom Ben Chorin in der Nacht vom 6. auf
den 7. Mai in Jerusalem verstorben. 
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