HERZLICH WILLKOMMEN

Geehrte Besucherin / Besucher, Sie haben eine Seite der Homepage der
Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung e.V.
kurz gesagt der "GGH" angewählt.
Die Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde (GGH) hat es sich zur Aufgabe gemacht Ihnen, wenn Sie wollen, ein wenig über unsere Heimatstadt Bendorf zu berichten. Unser Angebot richtet sich in der Hauptsache an geschichtlich und heimatkundlich Interessierte.
Mehr über Bendorf und unser Angebot auf unserer Startseite


Vorwort
Bendorfs bewegte Vergangenheit über viele Jahrhunderte hinweg hat schon immer das Interesse von sehr vielen Autoren und Chronisten geweckt. Über Bendorfs Geschichte gibt es eine reiche Fülle an Dokumenten, Aufzeichnungen und Erzählungen, welche die Vergangenheit unserer Heimat aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln widerspiegeln. Es erscheint mir daher äußerst reizvoll, einige wertvolle heimatkundliche Aufsätze aus dieser Fülle von Veröffentlichungen erneut der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein Problem ist es allerdings, dass von vielen dieser ehemaligen Autoren - trotz sorgfältiger intensiver Recherche - keine Angaben zum Copyright auffindbar waren. Diese Autoren haben ihre Arbeiten überwiegend in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in verschiedenen Publikationen veröffentlicht. Etliche Zeitungen, wie beispielsweise die alte "Bendorfer Zeitung" oder die Koblenzer Zeitung, sowie Heimatblätter und dergleichen wurden aber spätestens 1937 eingestellt. Ab 1937 veröffentlichten nämlich die damaligen Machthaber in den parteieigenen NS-Presseorganen viele dieser Artikel erneut - ohne Nennung der Autoren, wie man sich denken kann.
Ein Inhaber der Rechte für den folgenden Artikel ist der GGH nicht bekannt; sollte es aber einen geben, so bitten wir höflichst um Nachsicht und entsprechende Informationen, die wir dann gerne und umgehend berücksichtigen werden.

Der erwähnte Aufsatz erschien in: Land und Leute am Rhein Coblenz 1895
Für die Einstellung ins Internat wurde er entsprechend bearbeitet von W.Kutsche.

Ein Hochzeitsritt nach Isenburg

von Wilhelm von der Erft.


An dem Wege von Sayn nach Heimbach-Weiß, da wo derselbe von der Verbindungsstraße zwischen Engers und dem Friedrichs Berg durchkreuzt wird, liegt ein Fleck Erde in der Größe von ungefähr einer Rute im Quadrat, der seit Menschengedenken unbebaut und Wüst liegt und heutzutage leicht durch Haufen von Steinen kenntlich ist, die dort zur Ausbesserung der Wege abgelagert werden. Ein alter Lindenbaum breitet zur Seite seine Äste darüber und ältere Leute wissen sich zu erinnern, das einst an der andern Seite eine zweite Linde gestanden hat.

Ehemals aber stand an dieser Stelle, die erst neuerdings bei Anlegung des Grundbuchs wieder genau durch Flursteine abgegrenzt worden ist, ein so genanntes Hochkreuz, wie man es anderwärts wohl im Rheinland findet, so an der Landstraße zwischen Bonn und Godesberg, wo ein solches als ein schönes Denkmal deutscher Gotik das Auge des Wanderers fesselt. Ähnlicher Art ist auch das alte und berühmte Wahrzeichen von Wien, eine 1451 von Hans Puchsbaum erbaute gotische Denksäule vor der Stadt, "Spinnerin am Kreuz" genannt, über deren Entstehung manche Sage im dortigen Volksmunde ist. Auch bei dem Dorfe Igel in der Nähe von Trierer findet sich eine solche Denksäule, die berühmte Igeler Säule, noch heute ein Rätsel für die gelehrte Welt, die aber römischen Ursprungs ist und somit hier nicht in Betracht kommen kann.

Das Bonner Hochkreuz aber, von dem die Kölner Chronik nur die Erbauer Walram von Jülich und Wilhelm von Gennep nennt, ist nach einer schriftlichen Aufzeichnung in einem verloren gegangenen Missale in der Kirche zu Friesdorf an der Stelle errichtet worden, wo ein Ritter von einem andern im Zweikampf erschlagen und vom Erzbischofs von Köln, Theoderich von Heinsberg, verurteilt wurde, dieses Kreuz errichten zu lassen. Die kunstreiche Ausführung des Monuments scheint für die bedeutende Persönlichkeit des Erschlagenen zu sprechen.

Ganz übereinstimmend damit war auch die Veranlassung zu dem Sayner Hochkreuz. Während aber das Bonner Hochkreuz noch wohl erhalten besteht, aber außer den obigen Angaben die Urkunden über dasselbe nicht mehr vorhanden sind, sind in Bezug auf das Sayner Hochkreuz, dass dagegen schon lange verschwunden ist, alle Umstände über Zeit, Ort und Personen und über die Entstehung außer allen Zweifel gestellt. Dem Bericht darüber verdanken wir der Limburger Chronik, die im 14. Jahrhundert, fast gleichzeitig mit der in Rede stehenden Begebenheit, verfaßt wurde und überhaupt über die damaligen Culturverhältnisse die interessantesten Aufschlüsse gibt. Nach dieser Chronik hatte sich die Geschichte, wie folgt, zugetragen;

Im Jahre 1371 wurde zu Isenburg, natürlich von der gräflichen Familie auf der Burg, eine große Hochzeit gefeiert, da eine Tochter aus diesem Geschlechte vermählt werden sollte. Die später folgende Zeitangabe von 1380 lässt vermuten, dass die Jahreszahl 1371, die man wohl dafür angegeben findet wahrscheinlich auf einem Versehen beruht. Zu dieser Feier versammelte sich begreiflicherweise eine große Zahl Leute von nah und fern, denn das Geschlecht derer von Isenburg war hoch angesehen und hatte eine weit verzweigte Verwandtschaft. In der damaligen Zeit wohnten auch viele Ritter in Städten und anderen Ortschaften, nachdem sie von mächtigeren Gegnern aus ihren Sitzen vertrieben worden oder weil sie als nachgeborene Söhne keine eigene Burg hatten und deshalb in die Dienste einer Bürgerschaft zu treten genöthigt waren.

So war es auch jedenfalls bei dem Ritter Dietrich von Staffel der Fall, der in Bendorf, damals Bettendorf genannt, in der Steingasse wohnte und dem wahrscheinlich die Bewachung und Verteidigung eines Tores dieses Ortes, der Steinpforte anvertraut war. Auch er setzte sich zu Pferde, um nach Isenburg zur Hochzeit zu reiten. Das Sayntal muß damals noch ziemlich unzugänglich gewesen sein, zumal zu Pferde. Alte Leute wissen sich noch zu erinnern, wie die Landstraße nach Isenburg, die man auch die " Berliner Straße " nennt, gebaut worden ist, und die kaum länger als 60 Jahre bestehen wird. So führte denn damals der Weg von dem gedachten Kreuzungspunkt aus über den Berg nach Isenburg. Kaum war der Ritter Dietrich über Sayn hinausgekommen, so sah er einem anderen Ritter vor sich her reiten, der vor ihm von Bendorf hergekommen war. Es war Hans Bretten von Hiresbach oder Herisbach, sein erbittertster Feind, den er wohl erkannte. Auch in diesen lockte die Aussicht auf einen glänzenden Festschmaus und eine fröhliche Gesellschaft nach Isenburg.

Kaum war Dietrich seines verhaßten Gegners inne geworden, so gab er seinem Roß die Sporen, um denselben einzuholen. Hans in Bretten schien die Absicht zu haben, seinem Verfolger auszuweichen, wahrscheinlich um an diesen viel verheißenden Tage in seinem Vergnügen nicht gestört zu werden. Er setzte deshalb sein Pferd auch in rascheren Lauf, und so gestaltete sich denn der Vorgang zu einer wilden Verfolgung. Damals stand links vom Wege, gegenüber der Stelle, wo jetzt das letzte Haus von Sayn steht, eine dem heiligen Georg geweihte Kapelle, von der man noch in unserer Zeit (1895) Mauerreste gefunden hat. Der Distrikt heißt heute noch "an der St. Görgenkapelle" oder einfach "an der Kapelle". Dort wurde, wie die Chronik meldet, der Ritter Hans von seinem Gegner, der wohl ein schnelleres Pferd hatte, eingeholt. Da warf er, als er einsah, daß er ereilt und ein Ausweichen nicht mehr möglich war, sein Roß herum und traf seinen Feind mit gezücktem Schwert durch einen Stich dicht über dem Auge, dass dieser tödlich getroffen vom Pferde stürzte und gleich darauf verschied. So endete das Vergnügen der beiden Ritter an jenem Tage, denn wenn auch der eine nach dieser Tat seinen Ritt nach Isenburg fortgesetzt hat, so wird er durch das Bewußtsein des Geschehenen und seine wahrscheinlichen Folgen doch nicht zu einer rechten Teilnahme an den Freuden des Hochzeitsfestes gekommen sein.

Die Folgen des Ereignisses zeigten sich auch bald und waren weitgehender, als man hätte vermuten sollen. Ein Bruder des Ritters Hans Bretten war Hauptmann der Stadt Limburg, und so wandte sich jetzt der Zorn der Verwandten und Freunde des getöteten Ritters gegen die Stadt Limburg, die dem Täter um seines Bruders, des Hauptmanns Hans Brender von Herisbach, willen, wahrscheinlich in ihren Mauern Schutz gewährte. Limburg wurde nun von dem Ritter von Stein, der auf der mittleren Burg zu Sayn wohnte, und von den Rittern von Langenau und Nauenburg heftig befehdet, wobei die sogenannte neue Stadt an der (1315 erbauten) Limburger Brücke eingenommen, geplündert und niedergebrannt wurde. So wurden die Bürger von Limburg in diesem Streit sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Da wandte aber 1380 der Erzbischofs von Trierer, Kuno von Falkenstein, dessen Ruhestätte in der St. Castorkirche zu Coblenz noch heute mit einem Denkmal geziert zu sehen ist, seinen mächtigen Einfluß an und legte die Streitsache in der Art bei, daß die Schuldigen, wenn von einer eigentlichen Schuld hierbei die Rede sein kann, 1200 Pfund Wachs erlegen, in der Kirche der Abtei zu Arnstein eine ewige Messe und eine ewige Lampe stiften und an dem Orte, wo die Tat geschehen, ein steinernes Hochkreuz mit dem Wappen derer von Staffel errichten sollten.

Wann und wie das Hochkreuz verschwunden ist, ist der jetzigen Generation unbekannt. Es muß darum schon eine lange Zeit her sein, aber eine Erinnerung an das selbe und an seine Veranlassung hat sich bis heute im Volke erhalten, die denn im Hinzufügen von allerlei besonderen Zutaten sich gefällt, um die Umstände mitunter in ganz anderer Weise dargestellt, als sie von der Chronik angegeben werden.

Noch mancher geht des Abends mit geheimen Gruseln an dem Orte vorbei und irgend ein Reiter oder Fuhrmann, der von der Geschichte hat erzählen hören, schwört hoch und teuer darauf, daß sein Pferd an der geheimnisvollen Stelle gescheut habe, oder hat sogar im Zwielicht die Gestalt des erschlagenen Ritters erkennen vermeint, ohne zu bedenken, das nicht bloß Tiere, sondern auch Menschen durch die dort aufgeschichteten Steinhaufen bei nächtlicher Dunkelheit leicht getäuscht werden und in Furcht geraten können.

Eine solch verhängnisvolle Wirkung hatte dieser Hochzeitsritt daß er seine Schatten durch so lange Zeiten hindurch noch bis in unser Jahrhundert des Dampfes und der Electrizität hinein wirft, wo man so gerne mit allen Ueberresten der Vergangenheit aufräumt. Der Weg vom Tatort zum Friedrichsberg heißt noch heute im Volke der Ritterweg.


Anmerkung
Zum vorliegenden Aufsatz von Wilhelm von der Erft; Ein Hochzeitsritt nach Isenburg.

Der Autor, Friedrich Wilhelm Kirchbaum war Gymnasiallehrer an der Privaten Höheren Bürgerschule in Bendorf-Sayn. Er veröffentlichte in verschiedenen Zeitungen Beiträge heimatkundlichen Inhaltes unter dem Pseudonym Wilhelm von der Erft
1895 gab er eine kleine Schrift mit dem Titel: "Land und Leute am Rhein" heraus. Der Untertitel lautet: Ein Beitrag zur Kenntnis unserer schönen Heimat mit besonderer Beziehung auf die Rheinprovinz und den "Neuwieder Becken" benannten Theil derselben.
Erschienen ist das Buch bei: W. Groos, Kgl. Hofbuchhandlung, Coblenz

Die Arbeit ist besonders in den Teilen, welche die frühe Zeit behandelt und bei genealogischen Angaben, mit Vorsicht zu benutzen. W. Kutsche.




Geehrte Besucherinnen und Besucher, wir danken Ihnen für Ihren Besuch auf unserer Seite und würden uns über eine Nachricht von Ihnen freuen.
GGH_56170 Bendorf/Rhein
Postfach 1218
Für Ihre Anregungen und Hinweise: